Quizfrage:

Was würdet ihr denken: Welches dieser Tiere ist das gefährlichste für uns Menschen? Bei welchem sind die Chancen am größten dadurch zu sterben?

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Es ist die Mücke! Sie überträgt Krankheiten und tötet so ca. 635.000 Menschen allein durch die Übertragung von Malaria. Schlangenangriffe töten pro Jahr weltweit ca. 94.000 Menschen. Kühe töten in den USA ca. 20-22 Menschen jährlich und Haie im Schnitt 10.
Über einen tödlichen Haiangriff wird allerdings in den Nachrichten weltweit berichtet und daher ist der Hai als gefährliches Tier für uns wesentlich präsenter im Gedächtnis, als die Mücke. Hab ihr schon mal gelesen: „Mücke überträgt Malaria und tötet Kind“? Wenn es nach der Häufigkeit ginge, nach der es passiert, würden die Artikel dazu die Zeitungen zum Platzen bringen.
Also je leichter oder schneller Wissen über ein Ereignis im Gedächtnis verfügbar ist, desto stärker beeinflusst es unsere Urteile. Diese Art Entscheidungen zu fällen nennt man in der Psychologie Repräsentativitätsheuristik.

Die Chancen beim Loseziehen

Stellt euch jetzt nochmal vor ihr bekommt dieses Angebot: Bei einer Verlosung gibt es 10 Lose, die jeweils 1 Euro kosten. Zu gewinnen gibt es 20 Euro. Ihr könnt euch noch 1 Los kaufen, würdet ihr es tun?

Könnte gut sein, dass ihr das Angebot annehmt. 1 Euro investiert, Chance von 1/10 20 Euro zu gewinnen – das ist in Ordnung könnte man sagen.

Und jetzt stellt euch vor die 9 anderen Lose gehören nicht verschiedenen Personen, sondern nur einer. Eine andere Person, nennen wir sie Bill, hat sich 9 Lose gesichert, ihr könntet euch jetzt noch eins kaufen. Würdet ihr euch dieses Los kaufen?

Viele würden jetzt zögern und sich dieses Los eher nicht kaufen. Warum? Die Gewinnchancen haben sich nicht verändert, der Gewinn bleibt auch gleich, aber trotzdem kann man sich nicht mehr so gut vorstellen zu gewinnen. Solange viele andere Leute die Lose haben, denkt man „Ich habe genau die gleichen Chancen wie alle! Ich kann genauso wie jeder anderer hier der Gewinner sein“. Sobald aber Bill alle anderen Lose hat, wird uns klar, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass Bill der Gewinner wird und nicht wir.

Wir entscheiden meistens nicht so wie es statistisch gesehen am Wahrscheinlichsten ist.

In welcher Lebenslage ist das wichtig?

Zugegeben, für die meisten von uns stellt sich nicht täglich die Frage, vor welchen Tieren wir uns in Acht nehmen müssen. Und wenn wir nicht Lotto Spielen, dann ist das auch nicht interessant. Warum ist es also wichtig das zu wissen?

Wir Menschen sind nicht dazu gemacht Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen. Unsere Gehirne sind auf wesentlich einfachere Einscheidungen ausgelegt. Wir wurden für kurze Lebensspannen geschaffen, mit wenig Wahlmöglichkeiten und Prioritäten, die bei Nahrung und Fortpflanzung lagen.

So passiert es, dass wir zum Beispiel auch die Gefahr von Autounfällen unterschätzen und eher Angst haben, mit dem Flugzeug abzustürzen. Dabei ist statistisch gesehen der gefährlichste Teil der Reise schon vorbei, wenn man am Flughafen aus dem Auto aussteigt. Und es ist bewiesen, dass mehr Menschen, die Flüge vermeiden, dann auf den Autobahnen sterben, als mit dem Flugzeug abstürzen.

Aber wann kommt schon in den Nachrichten, dass jemand auf dem Weg in den Urlaub vor dem Flug mit dem Auto verunglückt ist?

Große Träume wegen Google, Harry Potter und Co.

Wir haben vielleicht als Kind einmal unsere Chancen überschätzt ein berühmter Sänger oder Fußballspieler zu werden. Wir haben ja nichts von den tausenden von erfolglosen und unbekannten Sängern und Fußballern gehört.

Vielen Wirtschaftsstudenten kann es passieren, ihre Chance zu überschätzen, mit einem Startup Unternehmen durchzustarten oder angehende Autoren überschätzen wie wahrscheinlich sie einen Bestseller schreiben werden.
Man hört von den kleinen Startups, die in der Garage starteten und von hunderten Investoren zuerst abgelehnt wurden, dann aber zu einem Weltkonzern wuchsen: Google.

Man hört zum Beispiel von einer Autorin, die ihre Bücher jahrelang bei Verlagen einreichte und Absagen bekam, weil ihre Geschichte zu unrealistisch sei und nicht gelesen werden würde. Dann hat endlich ein Verlag an sie geglaubt und den Roman unter der Voraussetzung, dass sie Ihren Vornamen abkürzt (damit man nicht sofort sieht, dass der Autor eine Frau ist) veröffentlicht. Und dann wurde Joanne Rowling durch ihre Buchreihe Harry Potter reicher als die Queen.

Klar, es kann passieren! Und diese Dinge hängen ja auch von mehreren Faktoren ab, als nur dem Zufall.
Ich will damit nicht sagen, dass das nicht passieren kann. Behaltet euer Selbstbewusstsein und hört bloß nicht auf euch hohe Ziele zu stecken!

Man sollte aber trotzdem bei dem was man tut und vorhat immer wieder einmal nachprüfen, ob man vielleicht gerade nur die Hirninhalte zu Rate zieht, die am einfachsten verfügbar sind. Zum Beispiel was der Kollege letztens erst erzählt hat, oder gestern Abend in den Nachrichten kam.
Stattdessen sollten wir uns lieber noch einmal informieren wie unsere Chancen wirklich stehen.