Entscheidung

Die Formel für richtige Entscheidungen

Menschen denken pausenlos. Und jeder Mensch denkt anders. Und dann handeln sie so, wie sie sich das vorher überlegt haben. Oder?

Oft gehen wir nur davon aus, dass wir gerade eine bewusste Entscheidung getroffen haben, dabei sind eigentlich unbewusste Faktoren dafür verantwortlich. Menschen handeln meist durch eine unbewusste Entscheidung, die sie anhand von Denkmustern treffen mit denen sie Geschehnisse und Personen einschätzen.

Um auf die Frage von vorher zurück zu kommen: Nein. Der Mensch ist nicht primär von Vernunft gesteuert. Aber das hat durchaus seinen Sinn.

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Wir werden jeden Tag mit unheimlich vielen Informationen konfrontiert und müssen unheimlich viele Entscheidungen treffen. Bis zu 20.000 am Tag. Würden wir die alle bewusst treffen, müssten wir viel zu viel Hirnkapazität und Zeit investieren. Das wäre gar nicht möglich. Also treffen wir sie unbewusst. Zum Beispiel einfach aus Gewohnheit oder durch Heuristiken. Das sind Daumenregeln mit deren Hilfe wir Urteile treffen, ohne darüber nachdenken zu müssen. Sehr praktisch.

Der Nachteil ist leider, dass wir dadurch eingeschränkter sind und systematisch Fehler begehen. Wir überschätzen die Gefahr vor Flugzeugabstürzen, wir fliegen auf alles auf dem gratis steht oder wir zahlen 11 Euro für eine Maß auf der Wies’n, nur weil alles andere auch teuer ist.

Eigentlich ist alles doch ganz einfach

Der niederländische Forscher Bernoulli hat 1738 eine Formel aufgestellt nach deren Muster wir entscheiden.

Erwartungswert = (Eintrittswahrscheinlichkeit) x (Wert, Nutzen)

Wenn wir also zum Beispiel im Laden ein Buch kaufen möchten, beziehen wir die Wahrscheinlichkeit ein zu der es dieses Buch im Laden geben wird und den Wert oder den Nutzen, den dieses Buch für uns hat. Wenn es dieses Buch dann im Laden gibt und der persönliche Nutzen auch höher ist als die Kosten, dann ist der Erwartungswert hoch genug und wir werden uns dafür entscheiden das Buch zu kaufen.

So einfach, so gut. Und funktioniert das auch immer nach dem Schema? Die tolle Antwort darauf: JA! All unsere Entscheidungen funktionieren nach diesem Prinzip.

Man könnte also meinen diese Formel hat damals alles geändert. Wenn wir jetzt nur immer genau wüssten wie das mit der Wahrscheinlichkeit so ist und wie viel etwas wert ist, dann wäre alles ganz einfach.

Bei dem Buch funktioniert das ja noch ganz gut. Aber bei komplexeren Situationen haben wir schnell große Probleme unsere Chancen und den Wert von Dingen richtig einzuschätzen. Hier mal jeweils ein kleines Beispiel:

Unsere Chancen

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An was denkt ihr bei diesem Bild? Ruhe, Entspannung, Erholung, Urlaub… Aber habt ihr Angst, wenn ihr den Pool seht? Eher nicht, oder? Dabei sterben doch jährlich unheimlich viele Menschen durch Ertrinken!

Es ist sehr viel wahrscheinlicher so zu sterben, als durch Erdbeben oder Terroranschläge zum Beispiel. Bilder von eingestürzten Häusern oder 9/11 lösen bei uns trotzdem viel mehr Angst aus. Das hat mit den Medien zu tun. Von großen, aber unwahrscheinlichen Katastrophen hören wir viel öfter und das verzerrt unser Bild davon wie wahrscheinlich es ist, dass das eintreffen wird. Das Ergebnis ist häufig, dass wir die Eintrittswahrscheinlichkeit falsch einschätzen.

Der Wert

Auch hier fällt uns das Einschätzen schwer. Wir können den Wert von Dingen kaum absolut einschätzen. Stattdessen vergleichen wir und setzen Dinge zu einander in ein Verhältnis. Wir können uns dabei zum Beispiel fragen wie viel wir schon mal dafür ausgegeben haben. Oder wir fragen uns, was wir mit der Menge Geld jetzt ansonsten anfangen könnten. So setzen wir uns den Wert zusammen.

Oft passiert es uns dabei aber, dass wir Fehler begehen. Manchmal sucht unser Unbewusstes so verzweifelt nach einer Vergleichsmöglichkeit, dass es sich dabei etwas ganz Unsinniges schnappt, ohne dass wir das merken. Personen, die in der Bar mit dem Namen „Studio 97“ saßen, gaben in einem Versuch im Schnitt 8 Euro mehr aus, als die Personen, die dachten dieselbe Bar heißt „Studio 17“.

Bei den Entscheidungen, die wir treffen spielt es außerdem eine große Rolle, wie lange es her ist, dass man eine Information zu diesem Thema erhalten hat. Auch wie oft man normalerweise damit konfrontiert ist, in welchem Kontext man davon hört und selbst in welcher Stimmung man gerade ist. All diese Faktoren berücksichtigt man in der Regel nicht bewusst.

Was kann man daraus lernen?

Bei den täglichen kleinen Entscheidungen helfen uns unsere Daumenregeln gut. Um bei wichtigen Entscheidungen nicht immer wieder auf uns selbst oder andere hereinzufallen, macht es jedoch Sinn sich mit Heuristiken zu beschäftigen und die eigenen Annahmen, die man eigentlich nicht in Frage stellt, immer wieder mal in einem anderen Licht anzusehen.

Wie wichtig unsere Entscheidungen doch eigentlich sind, wird einem klar, wenn man über folgendes nachdenkt: Wir Menschen haben keine natürlichen Feinde mehr. Alles was bei anderen Spezies dazu führt, dass sie aussterben, kann bei uns eigentlich nicht passieren. Was uns vernichten kann, sind die Entscheidungen, die wir treffen. Der Psychologe Daniel Gilbert, der an der Harvard Universität unterrichtet, hat vor ein paar Jahren in einem Vortrag gesagt: „We are the only species that has held his own faith in its hands. […] If we are not here in 10.000 years, it’s going to be because we could not take advantage of the gift given to us by a young dutch fellow in 1738. Because we underestimated the odds of our future pains and overestimated the value of our present pleasures.“

Noch mehr lernen:

Wer das vertiefen möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen, in denen es um allgemeine Denkmuster und Denkfehler geht:

Thinking, Fast and Slow(oder „Schnelles Denken, langsames Denken„) von Daniel Kahneman

Wer sich dem Thema ausführlich und wissenschaftlicher nähern möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Kahneman erklärt, dass das menschliche Denken in zwei Systemen funktioniert: Schnell und langsam. Er erklärt wie unsere Entscheidungen zu Stande kommen und wie es dabei zu Heuristiken, Verzerrungen, Selbstüberschätzung kommt. Großartig und daher ein Muss für alle näher Interessierten.

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Warum wir nicht wissen wie unsere Chancen wirklich stehen

  1. Liebe Nina,
    vielen Dank für diese Ausarbeitung.
    Und ich freue mich auf mehr.
    Antje

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